Experimente
Bewegungsqualität und musikalische Improvisation
Im Rahmen meines Dissertationsprojektes möchte ich mich experimentell meiner zentralen Forschungsfrage nähern.
Welche spezifischen Eigenschaften der improvisatorischen Handlungsweise beeinflusst die Bewegungsqualität beim Musizieren?
Oder anders herum gefragt: Welche Veränderungen ergeben sich in der improvisatorischen Handlungsweise, wenn sich das Bewegungsverhalten verändert?
Auf den verschlungenen Pfaden meines Forschungsweges habe ich an Hand von Literatur und diversen narrativen Forschungsgesprächen übergeordnete Teilerkenntnisse über diese Zusammenhänge gewinnen können. In einem intensiven Prozess der Selbstbeobachtung habe ich daraus weiterführende Fragen und "Experimentieranordnungen! Entwickelt.
Beim Improvisieren sind wir gleichzeitig mit Spielen und der "kompositorischen Architektur" eines Werkes beschäftigt. Wir entscheiden permanent über alle musikalischen Parameter und übernehmen eine dramaturgische Verantwortung für den Gesammtzusamenhang. Es scheint, dass die Kontrolle über die primären Parameter, wie Tonhöhe, Rhythmus und teilweise auch die Klangfarbe unsere Bewegungsqualität anders beeinflusst, wie wenn wir mit der Artikulation, den Spannungsverhältnissen zwischen Klängen, oder der Dramaturgie eines gesamten Werkes beschäftigt sind. In meinen eigenen Versuchen konnte ich erfahren, dass sich mein Umgang mit Tonhöhe und Intonation und die rhythmische Vielfalt verändern konnten, wenn ich mir spezifische Bewegungsaufgaben gestellt habe, die meine gewohnte Kontrolle gestört haben. Dabei konnte ich auch einen Zusammenhang zur Atmung und zu Ausdrucksfacetten feststellen. Ich möchte in den nächsten Monaten nun gerne mit MusikerInnen weiter experimentieren, die über Erfahrung in Improvisation verfügen. Alle Teilnehmer werden aktiv am Forschungsprozess beteiligt und profitieren für ihr eigenes Spiel von den Experimenten. Die einzige Bedingung ist ungeteilte Neugier!
Das experimentelle Vorgehen orientiert sich an dem qualitativen Experiment nach Kleining [1] . Hierbei beschreibt man den Gegenstand, den man erforschen möchte. - In meinem Fall die oben genannte Forschungsfrage. Dann verändert man eine Komponente. - In meinem Fall entweder einen Aspekt in der Bewegung, oder einen musikalischen Parameter. Dies kann man mehrfach wiederholen. - In meinem Fall auch mit verschiedenen Personen. Im dritten Schritt beobachtet man die Veränderungen am Forschungsgegenstand. - In meinem Fall die Veränderungen in Bewegung und/oder in dem Umgang mit den musikalischen Parametern. Im letzten Schritt zieht man Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Forschungsgegenstandes. - In meinem Fall auf den Zusammenhang zwischen körperlicher Kontrolle und dem Umgang mit den musikalischen Parametern und dem musikalischen Ausdruck.
Die Experimentierphasen sollen mit ausgewählten Feldenkrais-Lektionen eingeleitet werden, damit es zunächst ohne Instrument und komplexe Musizierpraxis möglich wird den Körper wahr zu nehmen. Anschließend werden einzelne Aspekte der Feldenkrais-Lektionen während des Spielens umgesetzt, bzw. beobachtet.
Der gesamte Prozess der Experimente wird aufgenommen. Alle Teilnehmer stehen für Fragen, die mit dem Forschungsgegenstand zu tun haben zur Verfügung. Nachdem die Daten ausgewertet worden sind, bekommen die Teilnehmer sie selbstverständlich noch einmal zum gegenlesen. Jeder Teilnehmer kann dann entscheiden, ob er namentlich genannt werden möchte, oder ob sein name anonymisiert werden soll.
Die Teilnahme an den Experimenten ist kostenlos. Termine und Ort (bei mehreren Interessenten aus einer Stadt, gerne auch vor Ort) werden mit den Interessenten persönlich abgesprochen. Ich plane sowohl mit kleinen Gruppen als auch mit einzelnen Teilnehmern zu arbeiten.
Ich bitte alle Interessenten sich unter post@corinna-eikmeier.de oder unter Tel: 0511-852034 zu melden.
Unter www.corinna-eikmeier.de/forschung gibt es weitere Informationen zu meinem Dissertationsprojekt.
[1] Kleining, G. (1986): Das qualitative Experiment. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 38 Nr. 4 (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-863a).